Unsere Pfarrkirche St. Ägyd
Wo Geschichte und Glaube Raum finden
Vom Donauufer zur Ansiedlung auf höherem Grund (um 1100–1171)
Die mit diesen Ortswechseln einhergehende Entfernung von der Pfarre St. Martin brachte die Notwendigkeit, in der neuen Siedlung eine eigene Pfarre zu errichten. Wann genau die Errichtung dieser neuen Pfarre erfolgt ist, liegt jedoch im Dunkeln. Tatsache ist aber, dass der Babenberger Herzog Heinrich II. Jasomirgott im Jahre 1171 in einer Urkunde einen eigenen Pfarrer in dem Neuenburger Ortsteil nördlich der Donau nennt, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Chorherr des Stiftes Klosterneuburg gewesen ist. Ob und wo eine dazugehörige Pfarrkirche bestanden hat, ist nicht geklärt. Diese Erwähnung eines eigenen Pfarrers liegt nämlich zeitlich zwischen der ersten und der zweiten hochwasserbedingten Verlegung der Siedlung. Es ist aber anzunehmen, dass es eine solche Kirche gegeben hat. Um die später im Rathausturm aufgegangene Nikolai-Kirche kann es sich dabei jedenfalls nicht gehandelt haben, da diese dezidiert nie Pfarrkirche gewesen ist.
Die Gründung am heutigen Standort und die Tauschurkunde von 1212
Romanischer Ursprung, gotischer Ausbau und die Weihe des Hochaltares
St. Ägyd wird zur Stadtpfarre Korneuburgs (ab 1298)
Belagerungen, Kriegszeiten und Wiederaufbau (15.–17. Jahrhundert)
Barocke Erneuerungen, Hochwasser und neuer Hochaltar (1660–1797)
Neugestaltung nach dem Großbrand und die Einwölbung des Kirchenschiffes (1842–1846)
Das Engagement der Bürgerschaft im 19. Jahrhundert
Der Neubau des Kirchturms und ein Wahrzeichen der Stadt (1899–1900)
Kriegsjahre, Zerstörung und Wiederaufbau (1945–1967)
Renovierung, Pfarrheim und liturgische Neuausrichtung (1970–2006)
1994 wurde die vom Wiener Konzerthaus günstig erworbene Chororgel aufgestellt, da die große Orgel reparaturbedürftig war. 1995 wurden Außenfassade und Turm renoviert und unter der Orgelempore die Sakristeien eingebaut. 1999 bis 2001 wurde dann die Innenrenovierung, die 1970 nicht ganz vollendet werden konnte, abgeschlossen. Der Volksaltar wurde weiter in die Mitte des Langhauses verschoben, die dadurch ausgelösten Dispute mit dem Denkmalamt waren heftig, konnten aber infolge der Hartnäckigkeit des Pfarrers durchgestanden werden. 2006 wurde schließlich die große Mauracher Orgel wieder instand gesetzt, sie ist jetzt von einem Spieltisch neben der Chororgel zu bespielen.
Pfarrhofsanierung und neues Turmdach (2008–2011)
Artikel von Otto Schweizer und Georg Schindler:
Erschienen in der Festschrift „800 Jahre Pfarrkirche Korneuburg“
Die Daten aus diesem Artikel wurden der Pfarrchronik (bis 1830), den Annalen der Pfarre, dem DEHIO-Band „Die Kunstdenkmäler Österreichs―, der Chronik von Starzer und dem Buch von Ludwig Ried „Korneuburg – Kirche im Wandel der Zeiten― entnommen.
Die Kirche als Bauwerk
Unsere Pfarrkirche St. Ägyd begleitet das Leben der Stadt seit acht Jahrhunderten. Ihre Mauern erinnern an jene, die vor uns geglaubt, gehofft und gebaut haben.
Ursprünglich im Jahr 1212 in spätromanischem Stil erbaut, wurde sie 1417 nach einem Stadtbrand gotisch umgestaltet. 1846 erhielt das Mittelschiff anstelle der ursprünglichen Flachdecke das heutige neugotische Gewölbe.
Zwischen 1899 und 1903 wurde schließlich das Westwerk hinter der Orgelempore neu errichtet.
Der Kirchturm erhebt sich heute 66 Meter über den Hauptplatz und prägt das Stadtbild bis weit hinaus.
Der Innenraum
3-schiffig, 68 m lang und 23,07 m breit – im Chor 8,55 m breit Architektonisches Glanzstück ist der Chor aus dem 14. Jahrhundert.
Ausstattung: (Reihenfolge nach Datum)
1382: Gotisches Sakramentshaus
1430: Gotische Statue des kreuztragenden Christus (Christuskapelle)
1591-1606: 4 Renaissance-Epitaphen mit schönen Steinreliefs (Mittelschiff rechts bzw. links vorne)
17. Jahrhundert – 1765/66: Kruzifixus (rechtes Seitenschiff über dem Ausgang) Taufbecken (linkes Seitenschiff vorne) Barockaltar („Engelaltar“) – Altarbild: Christus mit einem Ziborium unter den Engeln – 2 Statuen: auf der linken Seite – Erzengel Michael auf der rechten Seite Erzengel Raphael – Das kleine Bild oben stellt den Hl. Wolfgang dar.
1765/66: Kanzel (Rokoko) von Matthias Kölbl aus Tulln – Schwarzer Stuckmarmor – Reliefs aus Lindenholz – die Kanzeldarstellungen sind: Deckel: Katholische Kirche (allegorisch) mittleres Relief: Herabkunft des Heiligen Geistes im Abendmahlssaal – Wandrücken: Sämann
1870: Hochaltar (neugotisch) – Maria und Johannes stehen neben dem Gekreuzigten Darüber, an der Spitze des Hochaltars eine Darstellung des Hl. Ägidius (Kirchenpatron)
1884/85: Glasgemälde, großteils zerstört (außer Rosette)
1903: Orgel mit 30 Registern und 2 Manualen (auf der Empore – Details unten)
1967: Volksaltar aus rotem Marmor
1968: Statue „Maria mit dem Kinde“ von Grete Filz (Marienkapelle)
1969: Kriegerdenkmal (linkes Seitenschiff)
Rund um die Kirche
Rund um die Kirche finden sich auch einige bedeutende Kunstwerke aus jüngerer Zeit.
Am Seiteneingang begrüßen die Statuen von Johannes XXIII. und Maximilian Kolbe die Besucherinnen und Besucher.
An der Nordseite des Chores befindet sich eine eindrucksvolle Pieta, die zur stillen Betrachtung einlädt.
Im Vorgarten des Pfarrhofes steht das Bild des Auferstandenen mit Maria von Magdalena, und um die Kirche herum führen Kreuzwegbilder, die zum meditativen Verweilen einladen.
Die Orgel
Die Orgel der Stadtpfarrkirche St. Ägyd in Korneuburg wurde von Josef Mauracher aus St. Florian im Jahre 1903 angefertigt. Die Orgel ist entsprechend dem Klang- und Bauideal der Erbauungszeit mit pneumatischer Spiel- und Registertraktur ausgestattet und umfasst 30 klingende Stimmen. In den Jahren 2006/07 wurde die Orgel von der Orgelbauwerkstatt Walcker-Mayer umfassend restauriert und ein zusätzlicher Spieltisch im Presbyterium installiert.
I. Manual: C-f3
Burdon 16’
Principal 8’
Viola baritona 8’
Dolce 8’
Octave 4’
Flöte 4’
Cornet 4-f. 8’
Quinta 2-f. 2 2/3’
Mixtur 4-f. 2’
Trompete 8’
II. Manual: C-f3
Lieblich Gedeckt 16’
Bourdon Prinzipal 8’
Philomela 8’
Salicional 8’
Dolzflöte 8’
Vox celestis 8’
Prestant 4’
Flauto amibili 4’
Progressiv 5-f. 4’
Clarinette 8’
Pedal: C-d1
Prinzipalbass 16’
Violon 16’
Subbass 16’
Quinta 10 2/3’
Octavbass 8’
Bourdon 8’
Cello 8’
Oktav 4’
Posaune 16’
Posaune 8’
I/Ped, II/Ped, II/I, 16II/I, 4II/I, Rohrw. Copp.
Spielhilfen:
Piano, Mezzoforte, Forte, Pleno, Auslöser, Freie Kombination, Crescendo Tritt


